Schreibbegleitung
Deutscher Biographiepreis 2009

aus der Laudatio von Andreas Mäckler, Leiter des Biographiezentrums, zum 2. Deutscher Biographiepreis 2009 im Rahmen der Eröffnung der 2. Nordwalder Biografietage 2009 am Freitag, den 25. September 2009, 14 Uhr im Rathaussaal.

 

Die Preisträger:

Rosa von Praunheim:
Meine Mütter – Spurensuche in Riga. Dokumentarfilm, Basis-Film Verleih Berlin 2008


Dr. Inka Postrach:
Friederike Ruhm – Paulinchen war allein zu Haus…. Privatbiographie. Hamburg 2008

 

Privatbiographie, Hamburg 2008

Auch Friederike Ruhms Lebensgeschichte, wie sie von der Hamburger Biographin Inka Postrach auf den Weg gebracht worden ist, erscheint uns mehrfach beispielhaft; für die Generation der „Kriegskinder“ und für den Umgang mit Grenzerfahrungen, die eine Krebserkrankung mit sich bringt. Diese Autobiographie kann viele Menschen motivieren, ihre eigene Geschichte aufzuschreiben.
1939 geboren, erlebt Friederike Ruhm Dinge, die sie als kleines Kind nicht verstehen kann: das Verschwinden ihres Vaters, Bombenangriffe und Bunkerangst. Als der Vater als „fremder Mann“ aus dem Krieg zurückkommt, muss die Mutter zurück an den Herd, und die begabte Tochter wagt es später nicht, ihren Studienwunsch zu äußern, denn es galt: „Aus den Jungs soll etwas werden.“ Erst, nachdem sie drei eigene Kinder großgezogen und eine lebensbedrohliche Krankheit überwunden hat, erfüllt sie sich den Studienwunsch.
Friederike Ruhms Buch macht Mut, weil es die Überwindung von Traumata und Krisen anschaulich beschreibt; sich nicht als Opfer fühlen, die eigenen Träume verwirklichen und die eigene Geschichte aufschreiben.

Die Hamburger Biographin Inka Postrach, der wir den Deutschen Biographiepreis 2009 in der Kategorie „Privatbiographie“ überreichen, schreibt über ihre Arbeit: „Ich ermutige meine Kunden zumeist, ihre Lebensgeschichte selbst zu schreiben, weil die Effekte von Selbsterkenntnis, Kreativität und Heilung größer sind als beim Ghostwriting. Auch mich beglückt es, zu erleben, wie jemand seine Sprache für seine Erlebnisse und Erfahrungen findet, kreativ wird und sich an seinem Werk freut.
Friederike Ruhm musste ich nicht zum Schreiben ermuntern. Sie hatte schon geschrieben, als sie sich an mich wandte. Ich beriet sie in Fragen der literarischen Form: wie aus dem Bericht eine Erzählung machen, wie frühe, nebulöse und fragmentarische Erinnerung ausdrücken, wie Personen lebendig charakterisieren und Dialoge schreiben.
Ich begleitete sie aber auch in therapeutischen Fragen: Welche Folgen können frühe traumatische Erfahrungen haben, wie ambivalente Gefühle gegenüber nahen Menschen beschreiben, ohne zu verletzen, wie sich aus der Opferrolle lösen?
Mir hat die Zusammenarbeit mit Frau Ruhm Spaß gemacht, ich habe dabei einiges gelernt und erfahren und freue mich, dass dieses gelungene Buch den Deutschen Biographiepreis 2009 bekommt, den es verdient.“
Wir gratulieren Rosa von Praunheim und Inka Postrach von Herzen für ihr Werk!

Quelle: www.meine-biographie.com